Atemschutzübungen in Abrisshaus

16. Februar 2026

Feuerwehrübung im Abrisshaus
Gelegenheit für realitätsnahe Schulung genutzt


Eichenbühl. Flackerndes Blaulicht beleuchtete am Freitag die Häuser in der Hauptstraße beim Eichenbühler Rathaus. Dichter Qualm dringt aus Fenstern und dem Dach des um 1900 errichteten Altbaus neben dem Rathaus, der demnächst abgerissen werden soll. Die von der Verkehrssicherung der Feuerwehr an der Einsatzstelle vorbeigelotsten Fahrzeuge rollen langsam vorbei. „Ist etwas passiert?“, fragt ein Autofahrer ohne anzuhalten. „Nein, nur eine Übung“, so die Antwort der Lotsen.

Die Freiwillige Feuerwehr Eichenbühl die seltene, aber willkommene Gelegenheit unter nahezu realistischen Bedingungen ihre Atemschutzgeräteträger zu beüben. „In einem noch genutzten Gebäude können wir nicht mit Wasser in den Schläuchen rein. Das kann zu Schäden führen, wenn etwas undicht wird und auch eine Türöffnung mit Gewalt ist da nicht möglich“, erläutert Nils Abb, der Leiter Atemschutz der Eichenbühler Wehr. Aber nur so sei es auch möglich die Schwierigkeiten mit dem Gewicht und der unhandlichen Sperrigkeit eines unter Druck stehenden C- Schlauches zu üben. Drei Mal hat sich das Szenario am Freitag wiederholt: Zwei Wehrmänner bereiten sich mit Atemschutz und einem Strahlrohr vor um in das Gebäude einzudringen. Vorher noch die lebenswichtige Verständigungsprüfung über Funk. Zwei weitere bleiben als persönliche Sicherung vor dem Gebäude um in Notfällen eingreifen zu können. „Wasser kommt“ hört man und der Schlauch füllt sich. Orientierung unter Nullsicht ist nun gefragt um den mit Nebelmaschine simulierten Brandherd zu finden. Abb folgt mit der Wärmebildkamera und beobachtet seine Leute, gibt Hinweise zum Vordringen und Möglichkeiten der Türöffnung im Gebäude. Dann folgt das eindrucksvolle Bild für die Zuschauer an der Straße. Das Erdgeschoßfenster zur Straße geht auf und die sogenannte „hydraulische Ventilation“ zur Entrauchung des Zimmers sorgt für eine fast schon explosionsartig ausbreitende Rauchwolke in der Hauptstraße. Keine zwei Meter Sicht, alle Wehrleute sind nur noch schemenhafte Gestalten. Danach geht es weiter im Szenario: Suche nach der Vermissten Person. Mühselig und keuchend, den schweren, prall gefüllten Schlauch hinter sich herziehend über das steile, enge und noch vernebelte Treppenhaus geht es in das Obergeschoß. Vor dem Gebäude sichern weitere Feuerwehrleute eine angelehnte Leiter zum ersten Stock. „Das ist jetzt so für die Übung. Normalerweise würde bei einem Wohnhausbrand auch eine Drehleiter mit alarmiert werden“, erläutert Kommandant Udo Neuberger die Übungskünstlichkeit. Diese würde dann in der komplett gesperrten Hauptstraße stehen. Die Leiter käme als zweite Sicherung bei Bedarf hinter das Haus um auch dort einen Rettungsweg zu sichern. Nach Auffinden des Vermissten folgt der Rückweg in den Hof. Atemschutz ablegen, Helm und Schutzhaube absetzen und einmal über das schweißnasse Gesicht und die Haare fahren. Abb erläutert noch die Möglichkeiten einer Durchsuchung in einem Mehrfamilienhaus ohne Schlauchdruck, was das Vorgehen deutlich erleichtert. Über das jeweilige Vorgehen müsse man sich rechtzeitig vorher im Klaren ein. Wenn der Schlauch unter Druck steht sei es zu spät. Übungsende ist kein Feierabend: Ausrüstung verstauen, Beleuchtung abbauen, Verkehrssicherung zurücknehmen, im Gerätehaus die Ausrüstung prüfen und ergänzen. Danach Besprechung des Übungsverlaufes und Austausch von Erfahrungen. Die benutzten Atemschutzgeräte werden in die zentrale Atemschutzwerkstatt nach Miltenberg gebracht und am Montag wieder befüllt, gereinigt und geprüft damit sie für den nächsten Einsatz wieder genutzt werden können.
Das Abrisshaus war ein Glücksfall für die Eichenbühler Wehr. Bereits am Sonntag zuvor konnten zwei Übungsdurchgänge mit Atemschutz absolviert werden und am Mittwoch durfte auch die Jugendfeuerwehr ihre Erfahrungen mit einer eigenen Übung sammeln.

Bericht und Bilder: Siegmar Ackermann